Rockfest ohne Rocker

Über 8.000 Fans hatten Grund zum Jubeln

Bei Ten Years After bestand Publimum die Bewährungsprobe

Aus Artikel “Stuttgarter Nachrichten vom 19.02. 1973 A.S.”

Der von vielen befürchtete Krawall auf dem Killesberg blieb aus. Über 8.000 junge Pop-Fans zeigten am Samstag, daß man auch in Zukunft keine musikalischen Großveranstaltungen in Stuttgart zu scheuen braucht. Beim Konzert von “Ten Years After” in der Halle 6 des Ausstellungsgeländes, veranstaltet von dem Kulturellen Verein und dem “Bird-Laden” in SIndelfingen, wetzten die Pop-Anhänger eine Scharte wieder aus, die beim Besuch der “Rolling Stones” und “Deep Purple” vor einigen Jahren enstanden war.

Immerhin wurden etwa zwei Drittel der EInnahmen für das Management aufgewendet, um sicher gehen zu können, daß die Bewährungsprobe wunschgemäß klappt. Und die Fans haben in der Zwischenzeit eingesehen, daß sie ein tieferer Griff in die Tasche vor der Konfrontation mit Schlägertypen als Ordner und vor heruasfordernd schampiger Organisation bewahren kann.

Obwohl die Sallöffnung offiziell mit 18 Uhr 30 angegeben war, konnten die ersten Besucher bereits vor 18 Uhr die Kontrollen passieren. So gabe es auch vor den Einlässen keine nennenswerte Gedränge und beim pünktlichen Beginn des Concerts um 20 Uhr waren die Siebentausend bei bester Stimmung in der Halle untergebracht. Als Vorruppe ging der einstige Leadgitarrist von Procul Harum, Robin Trower mit Reg Isidore am Schlagzeug und James Dewar (Baß und Gesang) von Stone The Crows) ans Gerät. Obzwar noch nicht ganz  profiliert im Zusammenspiel wurde die junge Formation mit der schwierigen Aufgabe des Stimmungsmachers für die Stars des Abends mit Abstand fertig. Sie verzichtete auf bloß stures Einheizen und lierferte achtbaren Space-Rock-Blues, dr vom Auditorium mit freundlichem Beifall aufgenommen wurde.

Als dann nach einer kurzen Pause die Mannen von Ten Years After mit dem Publikumsliebling Alvin Lee auf der Bühne erschienen, um ihre “Rockn Roll Music für die Welt (nach dem Motto des Abends) loszulassen, brach wie in den guten alten Tagen orkanartiger Begrüßungsjubel aus. Das Quartett, das sich seit elf Jahrem mit seinem kaum je entscheidend veränderten Rock-Stil in gleicher Besetzung am Pop-Himmel halten kann, bestätigte auch in Stuttgart seinen Ruf als eine der besten Live-Bands der Welt. Perfekt aufeinander eingespielt und mit professionellem Gespür für die motorischen Bedrüfnisse ihrer Anhänger steigerten sie die Stimmung im Saal, bis schließlich eine hingerissene Menge wogte und rockte und sich die Kehlen heißer schrie, um noch zwei Zugaben zu hören.

Daß ausgerechnet die guten Oldies und weniger die musikalisch etwas anspruchsvolleren Titel aus der neueren Produktion den größten Jubel entfachten, bestätigt die Prophezeiungen vom Comeback des Rock´n Roll, der den Jungen jeder Generation allemal in die Glieder fährt.

Als sich dann umd 23 Uhr die Halle geleert hatte, machten die Verantworltichen Bilanz: der Einsatzleiter der Polizei sprach von einem  beispielhaften ruhigen Abend, das Rote Kreuz hatte – abgesehen von einigen kleineren, angesichts der riesigen Menschenmenge minimalen Hilfeleistungen – keinerlei Sorgenfälle. Und am erfreulichsten war wohl die Mitteilung eines Arztes der Releasegruppen, die vorsorglich für erste Hilfe bei Drogenvergiftungen Bereitschaftsdienst hileten: Währen der gesamten Veransaltung wurde kein einziges Medikament benötigt, um “Ausgeflippte” wieder auf die Beine zu bringen.

 

Kommentar Rock´n Rolling:

Das Konzert mit Ten Years After war das erste Popkonzert auf dem Suttgarter Killesberg nach einer Sperrzeit von über zwei Jahren. Es war ein Risiko, ohne jeden Zweifel. Wer wollte das finanzielle Risiko tragen? Doch auch für Polizei und Verwaltuang war dieses Konzert ein Test, die Probe aufs Exempel, die Antwort auf die Frage, ob sich weiterhin noch Szenen wie beim letzten Konzert im Jahre 1971 abspielen würde, als die EIngänge im Sturm erobert wurde, wo die Polizei sehr gut in Handgreiflichkeiten mitmischte, wo das Geschäft der Droegen-Dealer fröhlich blühte.  Doch dank unserer hervorragenden Planung kam es ganz anders als man es erwarten konnte: Die Polizei und die Stadtverwaltung äußerten sich nach Konzertende sehr zufrieden.

Straff durchorganisiert

“Das lag zu einem großen Teil an den weitsichtigen Veranstaltern, dem Kulturellen Verein Sindelfingen e.V und dem Bird-Laden, beide in Sindelfingen, (nein nicht Schwindelfingen) beheimatet. Denn mit ihren verschiedenfarbigen Ausweisen, mit denen Türhüter, Sallordern etc. ausgestattet waren, erweckten sie Reminiszensen an die Olypmischen SPiele von München und lösten die Organisationsfragen hervorragen.” Zitat aus Sindelfinger Zeitung 22.Februar 1973 von Uli Ackermann.

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